Hintergrundgeschichte: Und dein Leben, dein Leben

Ich wollte das Buch gar nicht schreiben, es passierte einfach. Beim Klicken durch gemeinfreie Bilder fand ich dieses hier und Carmen war da.

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Zuerst dachte ich: Oh, wie schön, da will ich gerne wohnen. Ein sehr wichtiger Gedanke folgte: Aber ganz schön gruselig, wer will denn da wohnen? Das war die Geburt Carmens, einer Frau, die dort in der Nähe eine Leiche fand und deswegen dort hinzog. Sie hat Schwierigkeiten mit Gefühlen, aber Furcht kann sie noch erreichen. Auf die Jagd nach dem Schauer verschanzt sie sich in der Einsamkeit. Schnell kam auch die zweite Hauptperson mit ins Spiel, ein Serienmörder, der ein Interview über Carmen, die Krimiautorin liest und aus Neugierde an ihre Tür klopft. Er will sich mit ihr unterhalten.

Von Anfang an kannte ich das Ende. Die letzten Worte, die ganze letzte Seite kannte ich detailliert in meinem Kopf. Aber ich weigerte mich, sie vorwegzunehmen. Ich wollte mir den Zug nicht nehmen, der die letzte Szene auf mich ausübte.

Es war Dezember und ich verfiel in einen Wahn. Im Kleinen hatte ich das schon erlebt, aber das war anders, das war ein ganzes Buch. Ich schlief nur, wenn ich musste. Nach wenigen Stunden wachte ich wieder früh auf, ich wollte sofort weiterschreiben. Nur bohrender Hunger konnte mich zum Essen bewegen. Ich liebte es, aber mein Körper nicht. Weihnachten störte mich, diese lästige Realität. Innerhalb kürzester Zeit war Carmens Geschichte fertig. Die letzte Szene zu schreiben war … wie das Lieblingsessen vorgesetzt zu bekommen. Ganz bewusst aß ich Bissen für Bissen und war am Ende enttäuscht, dass der Teller schon leer war. Und gleichzeitig zufrieden. Ich lehnte mich zurück  ja, das wird jetzt wirklich so cheesy  und fühlte mich wie Hemingway.

Zum ersten Mal band ich übrigens beim Schreiben meine Follower auf Twitter ein. So machte ich zum Beispiel eine Umfrage zum Thema Name für den See. Eine Twitter-Kollegin schlug „Böcklinsee“ vor, was es dann auch wurde. Das war eine tolle Erfahrung und ich möchte das so beibehalten.

Ich lernte wahnsinnig viel, auch über mich selbst. Über Horror, über amerikanische Gefängnisse, über Gewaltverbrechen, über Leichen, über Wasserverhältnisse, über Gefühle.

Ein Bild möchte ich noch mit euch teilen, über das ich erst kürzlich stolperte. Carmen hat einen Hund, eine deutsche Dogge namens Dexter. Er ist eine Frohnatur. Wenn Carmen mit dem Boot in den nächsten Ort fährt, sitzt er vorne und genießt die Fahrt. Genau wie dieser Hund hier:

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Das Cover habe ich erst auf den letzten Drücker geändert, weil mir eine Freundin vor der Veröffentlichung zur ersten Version sagte, das sähe aus wie eine Cracksüchtige. Ich konnte nichts anderes mehr darin sehen … Mittlerweile gefällt es mir gar nicht mehr.

Une mein Leben mein Leben

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