10 Dinge über das Selfpublishing, die dir niemand erzählt

Unwissender Autor

1. Das Stigma, Selfpublisher seien nicht qualitativ, existiert noch.

Noch immer wird allgemein angenommen, dass ein Buch es nicht bringen kann, wenn er von den Verlagen abgelehnt wird. Selfpublishing als letzter Ausweg, dort tümmelt sich der Müll. Mit lieblosen Covern, ohne Lektorat, mit schlechtem Stil. Und natürlich stimmt das auch zum Teil. Der Vorteil von Selfpublishing ist nicht nur, dass jeder veröffentlichen kann, sondern auch, dass es jeder tut. Das ist aber nur die halbe Wahrheit. Auf jedem Markt gibt es massenweise Müll. Wenn ich heutzutage in einen x-beliebigen Buchladen gehe, finde ich von Tausenden Büchern nur wenige interessant. Und so ist es auch mit dem Selfpublisher-Sumpf. Ein Leser muss graben, um etwas Gutes zu finden und leider mögen Menschen neue Gelände nicht und lassen es daher gleich. Ein Selfpublisher muss überzeugen, doch die Mühe wert zu sein.

2. Es ist verdammt viel Arbeit.

Okay, das wird einem gesagt, aber nicht, wie viel Arbeit es wirklich ist! Ich arbeite hauptberuflich als Lektorin und PR-Bloggerin, aber nur 24 Stunden die Woche, manchmal wegen eines besonderen Auftrags mehr. Seit drei Monaten arbeite ich aber noch nebenbei Vollzeit als Autorin. Als Selfpublishing-Autorin. Also: ich schreibe, plane, organisiere, gestalte, tüftele ständig. Wenn andere nach ihrer Arbeit Feierabend machen, sitze ich mit Laptop auf der Couch und arbeite an meinem eigenen Projekt weiter, mit dem ich jetzt noch nicht mal besonders viel Geld verdiene, es geht Richtung Null. Es ist so viel Arbeit an so vielen verschiedenen Baustellen, dass ich ohne detaillierten Kalender nichts mehr hinkriegen würde. Das sagt niemand, bevor man es nicht selbst merkt.

3. Es hat nichts mit Kunst zu tun.

Es gibt nur noch wenige Momente, in denen ich mich als Künstler fühle. Wenn ein neues Projekt so viel Schwung bekommen hat, dass ich in einen Rausch verfalle. Wenn ich wie eine Hexe kichernd den letzten Satz schreibe. Solche Momente. Die Wahrheit ist, dass ich eine ganze Firma bin. Ich bin meine Sekretärin, ich bin meine Buchhalterin, ich bin meine Event-Managerin, ich bin meine Krisenberaterin, mein Chef und mein Angestellter. Ich kann Entscheidung nicht damit treffen, was ich als Künstler will. Und das fängt beim Schreiben an. Ich bin eine Firma, ich bin ein Dienstleister, das muss ich genauso berücksichtigen wie mein Künstler-Ich.

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4. Keiner interessiert sich für dich.

Als ich damals vor fast einem Jahr (Februar 2017) mein erstes Buch veröffentlichte, erzählte ich es der ganzen Welt und  nichts passierte.  Maximal sagte mal einer: „Cool, ich wollte auch schon immer mal ein Buch schreiben.“ ICH HABE EIN FUCKING BUCH GESCHRIEBEN und es fällt niemandem auf. Wirklich, so ist das. Resonanz gleich Null. Was ich nicht beachtet habe: Ich bin einer von sehr vielen. Keiner kennt mich, keiner sieht mich, keiner weiß von meinem Buch. Natürlich interessiert sich niemand für mich. Aber wer viel investiert und sich in Geduld übt, bekommt auch viel zurück. Und man muss Erfolg im Kleinen messen.  Innerhalb des Jahres habe ich mein Netzwerk rasend schnell ausbauen können, meine beiden Bücher werden für ihre Verhältnisse gut verkauft und ich werde monatlich sichtbar besser. Das ist Erfolg!

5. Man muss nicht unbedingt viel Geld in die Hand nehmen  zumindest anfangs.

Was? Habe ich wirklich gewagt, das zu sagen? Jaaa. Ungefähr in jedem Blogbeitrag und in jedem Artikel las ich, dass man doch bitte nicht nur ein Lektorat kaufen soll, sondern auch noch einen professionellen Cover-Designer, am besten eine Marketing-Agentur, dazu noch gleich Werbung in den Social-Media-Kanälen machen soll. Das ist alles sicher sein Geld wert, doch am Anfang seiner Selfpublisher-Karriere kann er ruhig langsam beginnen. Das Wichtigste ist das Lektorat! Das kann der Autor niemals selbst machen und wenn etwas qualitativ hochwertig sein muss, dann das Manuskript. Der Rest: Scheiß drauf. Den Buchsatz kann man sich selbst antrainieren (man findet alles dazu online), das Cover kann man mit ein wenig Übung und einem guten Auge selbst machen. Wer sich ein Netzwerk aufgebaut hat (und das sollte jeder), findet oft Grafiker, Künstler und andere nützliche Personen, die dir aushelfen. Für was ich momentan Geld ausgebe, da ich es für das Wichtigste halte: Lektorat, Veröffentlichsgeld beim Selfpublisher-Verlag (Ich bin nicht bei Amazon, wo es kostenlos ist), Beitrittsgeld beim Autorenverein BartBroBrothers und Messebesuche. Beide letzten Punkte verhelfen dir zu Netzwerk und Wissen. Aufstocken kann man seine Ausgaben immer noch.

6. Nicht jeder kann es.

Ein Satz, den ich irgendwo mal gelesen habe, hat mir die Augen geöffnet. „Die publizierten und erfolgreichen Autoren sind nicht die besten, sondern die, die ihre Arbeit beenden.“ Halb zitiert. Ich kenne großartige Künstler. Doch egal wie gut du schreibst, malst, strickst, zauberst, wenn du nicht hart arbeitest, deine Kunst beendest und sie gut vermarktest, wird dein Talent nichts bringen. Nichts! Adios. Andersherum heißt es aber auch, dass harte, konzentrierte Arbeit und Geduld auch zu Erfolg führen wird. Du musst es nur können.

7. Du wirst Fehler machen, viele Fehler und noch mehr Fehler.

Egal, wie oft du dein Manuskript kontrollierst, egal, wie penibel du alles planst und kalkulierst: Am Ende wirst du dein Buch aufschlagen und sofort Fehler finden. Hier eine peinliche, persönliche Geschichte: Ich musste kurz vor der Veröffentlichung meiner Novelle Tulpologie mein Cover neu gestalten, da die Maße nicht groß genug für eine gute Qualität waren. Ich kontrollierte alles, natürlich, zumindest dachte ich das. Als ich auf den Button „Veröffentlichen“ klickte und das Buch sah, sah ich sofort, dass hinten unter dem Klappentext in meiner Biografie „Produkzentin“ stand. Ich merzte den Tippfehler aus, zahlte erneut 39 Euro und schämte mich eine Weile, bis ich mir verzieh. Denn trotz aller Fehler darf man sich nicht von ihnen aufhalten lassen.

8. Durch deine Arbeit machst du dich verletzlich.

Ich habe gerade schon erwähnt, dass du Fehler machen wirst. Damit kritisierst du dich selbst und auch andere werden das tun. Es gibt keine Ausreden, „In meiner Firma geht das nicht anders“ zählt nicht, denn du bist deine Firma und bist verantwortlich. Dazu schreibst du nicht nur über deine Wunden, du vermarktest sie auch noch. Du wirst darauf angesprochen werden. Wichtig ist, dass du dich nicht davon irritieren oder gar aufhalten lässt. Deine Fehler waren dumm und das ist normal. Vielleicht wirst du sie sogar noch mal machen, auch das kann passieren. Schreib dir ein neues Motto auf die Stirn: Chill. Nichts davon hindert dich an deinem Erfolg.

9. Selfpublishing macht oft einsam.

Wer viel arbeitet, hat nicht viel Zeit für Menschen. Während ich abends einen Film mit meinem Freund gucke, passiert es nicht selten, dass ich nebenbei an etwas arbeite. Ich verabrede mich seltener als früher. Ich habe plötzlich sehr viel mit dem Internet zu tun und auch wenn das theoretisch Menschen sind, ersetzen diese virtuellen Beziehung kein Abend mit Freunden im Restaurant. Bei mir ist es besonders stark, da ich auch als Lektorin von zuhause arbeite. Ich habe keine Kollegen, manchmal sehe ich tagelang niemanden außer meinen Freund und meine Katze. Es ist wichtig zu lernen, die Waage zu halten. Irgendwann den Laptop zuzuklappen und zu sagen: Jetzt reicht es! Mit der zeit lernt man das aber.

10. Selfpublishing macht süchtig.

Ich liebe die große Verantwortung die ich gegenüber meinen Projekten habe. Die Bücher, die ihr lest, sind vollständig von mir, niemand hat mir reingeredet. Ich alleine entscheide über meine Marke, mein öffentliches Bild, meine Kampagnen. Die Deadlines stammen von mir selbst. Wenn ich meine vorherigen Pläne sinnlos finde, ändere ich sie. Es gibt keine bescheuerten Regeln von höheren Schichten. Außerdem macht mir die Arbeit massig Spaß, sonst könnte ich sie wohl auch nicht. Ich liebe Organisation, Design, natürlich das Geschichten schreiben, selbst mit Marketing und Selbstdarstellung habe ich mittlerweile meinen Frieden gefunden und genieße es. Vor kurzem kam der Vorschlag, ich solle mich mit einem Manuskript auf jeden Fall beim Verlag bewerben (es ist noch nicht beendet), doch mir gefällt der Gedanke nicht, mein Werk aus der Hand zu geben. Ich bin zu süchtig …

Sicherlich gibt es Vieles, was auch ihr erst wusstet, nachdem ihr Selfpublisher wurdet. Was hat euch überrascht? Gab es etwas, mit dem ihr überfordert wart? Liebt ihr es trotz allem genauso wie ich? Schreibt es mir gerne in die Kommentare!

Ab heute werde ich jede Woche Donnerstags etwas auf dem Blog veröffentlichen. Folgt mir, wenn ihr nichts verpassen wollt, hier auf WordPress oder auf Social Media unter Magret Kindermann. Wer nur das Wichtigste zusammengefasst haben möchte, sollte sich in meinen Newsletter eintragen.

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19 Antworten auf “10 Dinge über das Selfpublishing, die dir niemand erzählt”

  1. Mich hat die tatsächliche Arbeit auch überrascht. Ich wusste zwar, dass es viel Arbeit wird, aber dass es ein Vollzeitjob ohne Urlaubsanspruch ist, erkennt man erst, wenn man drinnensteckt.
    Ich war am Anfang mit den ganzen Entscheidungen überfordert: Welches Cover? Ist der Klappentext wirklich gut genug? Es gibt eben niemanden, der einem auch nur eine kleine Entscheidung abnimmt und da ich selber noch unsicher war/bin, war/ist das mit einigen schlaflosen Nächten verbunden.
    Aber ich habe mich bewusst fürs SP entschieden und würde diese Entscheidung auch immer wieder treffen.

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    1. Sehe ich genauso. Die Überforderung geht erst weg, wenn man es mehrmals gemacht hat und vor allem immer nur den nächsten Schritt vor sich sieht, nicht das Ganze.

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  2. oh je: „Selfpublishing macht süchtig“ …
    wahrscheinlich genauso wie „Bloggen“ 😉
    oder?

    Die Einsamkeit mit Mann und Katze finde ich persönlich sehr erfüllend 🙂

    Alles Gute für 2018 und
    viel Glück und viel Segen und
    LG, Hiltrud

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    1. Wie wohl alles, was man liebt und was man, langsam aber sicher, gut kann. Es ist eine gesunde Sucht, denn es treibt einen an, produktiv zu sein, ein Lebenswerk zu schaffen.

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  3. Wow, du schaffst es einmal am Tag vor die Tür? Dann mache ich doch was falsch …
    Sehr gut zusammengefasst, passt alles. Leider.
    Besonders die Einsamkeit muss man allerdings bekämpfen – ich empfinde sie als tödlich für die Inspiration. Also, immer wieder raus, Verabredungen, ins Café, an die Luft!

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    1. Sehe ich genauso. Manchmal ist es ok, sich zu verstecken, aber dann muss man auch wieder raus. Man sollte sich erinnern: Schreiben geht nur mit Leben.

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