Challenge #wirsindtraumfaenger – Tag 15

15 Mit welcher Figur aus welchem Buch erträumst du ein Date?

Er war schon da, seelenruhig saß er am Tisch, die Arme darauf abgelegt. Die letzten Schritte ging ich gezügelt, um meinen Atem zu beruhigen. Ich war nicht pünktlich, aber wollte nicht das Gefühl das Zuspätkommens mitbringen. Überrascht stellte ich fest, dass es einen Klavierspieler gab, ich kannte die Melodie ohne sie benennen zu können. Ich war furchtbar mit Musik und wollte es nicht vor ihm zugeben.
„Hallo“, sagte ich und lächelte.
„Hallo“, sagte er und stand auf. „Sie wirken gut gelaunt.“
„Das bin ich.“
Wir küssten und gegenseitig auf beide Wangen. Er lächelte ebenfalls als er sich wieder setzte.
„Ich war überrascht, dass Sie mich treffen wollten“, lenkte er das Gespräch gleich zum Kernthema.
„Wissen Sie, ich lese nicht oft Bücher über Romanzen. Und um ehrlich zu sein … mit den meisten männlichen Protagonisten will ich nicht auch nur einen Abend verbringen.“
Seine Haltung verändert sich, er schien sich kleiner zu machen. „Ich bin eigentlich nicht jemand, den man treffen möchte.“
Ich betrachtete ihn. Er sah gut aus. Gerade Schultern, die in einem gut geschnittenem Anzug steckten. Scharfe Linien zeichneten sein Gesicht. Seine Unsicherheit musste davon herkommen, dass er blind war. Er hatte sich beim Rasieren geschnitten.
„Charles, Sie waren mir am sympatischsten. Ich trat an mein Bücherregal und Buchrücken für Buchrücken überlegte ich, ob ich mich mit dem männlichen Protagonisten gut verstehen würde. Ob ich mich in ihn verlieben könnte.“
„Und Sie könnten sich in mich verlieben?“
„Oh ja. Aber das ist unwichtig. Sie sind nicht für mich bestimmt. Sie werden in einem Aufzug Janice kennenlernen.“
„Verraten Sie mir nichts. Ich möchte die Überraschung genießen können, wenn es soweit ist.“
Ich schlug die Karte auf. „Ich hoffe, Sie trinken Rotwein.“
„Natürlich. Ich mag Frauen, die Rotwein trinken. Aber wenn ich schon für Janice bestimmt bin, dann ist unser Date doch vollkommen sinnlos.“
Überrascht lasse ich die Karte sinken. „Aber nein. Ganz im Gegenteil. Wir können die Essenz eines Dates haben. Wenn nur dieses Treffen bleibt, was wir haben, dann fällt jegliche Schwermut davon ab.“
Er dachte darüber nach. Dann huschte ein leichtes Grinsen über sein Gesicht. „Lass uns Rotwein bestellen.“

Das war Charles Buckman aus „Unscheinbares Mädchen, ein Leben“ von Arthur Miller.

Hier gibt es mehr über die Challenge.

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