Challenge#wirsindtraumfaenger – Tag 1

01 Stell dich vor

Mein Sofa ist mit einem Tuch bedeckt, das ich petrolblau gefärbt habe. Wenn ich das Wohnzimmer betrete, sehe ich es sofort und es gefällt mir. Davor steht ein Tisch, den mein Freund selbst gebaut hat. Die Glasplatte darauf ist nicht festgemacht und wenn ich schreibe, stelle ich gerne meine Füße auf den Rand und verschiebe die Scheibe damit immer. Es gibt auch einen großen Teppich, der für meine Sesshaftigkeit steht. Wer es nicht weiß, denkt, es sei nur ein Teppich, doch er steht für meine gestutzten Flügel. Meine früheren Mitbewohner witzelten mal, ich könne in einem Smart umziehen. Ich war ruhelos, suchte nach etwas Unbekanntem. Dann kam der Teppich und plötzlich stand er für das Bleiben. Ich blieb nicht, aber ich nahm den Teppich mit. An einen Ort, an dem ich vielleicht endlich mal bleiben kann.

Auf der Fensterbank steht ein Olivenbaum, der aus Israel als Setzling im Handgepäck geschmuggelt wurde. Pflanzen faszinierten mich immer, vor allem Bäume. Das habe ich wohl von meiner Mutter. Mittlerweile bin ich stolz darauf, dass ich auf heimischen Wiesen weiß, was essbar ist, womit man heilen kann, damit kann ich vielleicht mal nach einer Apokalypse überleben. Olivenbäume haben es mir besonders angetan, ich mag ihre runzelige, trockene Ruhe. Dieser auf meiner Fensterbank stammt aus einem kleinen Dorf, an das ich warme Erinnerungen habe.

Dann gibt es in diesem Raum noch ein Bücherregal, es sind nur zwei dunkelbraun lackierte Bretter an der Wand. Buchstapel bilden die Buchstützen, alles liegt kreuz und quer. Ein Zuhause ohne Bücher hat etwas Beunruhigendes, finde ich. Irgendwas fehlt und das sagt etwas über die Bewohner aus. Diese Bücher sind da und saugen mich auf oder ich sauge sie auf. Eine gigantische Sanduhr steht neben ihnen, sie motiviert mich zum Schreiben, wenn ich es nicht von alleine schaffe. Ich mag sie, denn sie sieht aus wie aus einem Jules Verne-Buch entsprungen.

Viel mehr gibt es in diesem Raum nicht von mir. Der Rest gehört nicht mir oder jetzt schon, so ist das doch, wenn man zusammenwohnt. Es ist ein halber Besitz, man kann darüber verfügen, aber kann nicht darüber bestimmen.

Wer wirklich die Augen aufmacht, entdeckt viel über mich in meinem Zuhause. Die Bücher verraten es, das blaue Tuch, die verschobene Glasplatte. Wahrscheinlich deckt all das viel mehr über mich auf als ich selbst weiß (oder möchte). Aber eure Räume sagen mir genauso viel über euch, also ist das nur fair.

Das bin also ich.

Magret.

Die dazugehörige Challenge findet ihr hier.

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