Abbitte: Die Realität vs. Fiktion

Atonement wird wohl den meisten ein Begriff sein. Ein schwerer Film in der Zeit der Kurzhaafrisuren, schicken Kleider und des Krieges. Eine tragische Liebesgeschichte und doch wohl kaum über einen Autor. Nun, doch.

Ein junges Mädchen ist schuld daran, dass sie ihre Schwester und ihren Liebhaber trennt. Sie hängt ihm eine Vergewaltigung an und er muss zur Strafe Soldat werden. Soweit so gut. Doch diese junge Frau wächst heran und sie erkennt ihre Schuld. Es nagt an ihr und sie beginnt zu schreiben, heimlich, nachts, während sie tagsüber als Krankenschwester verletzte Soldaten verbindet. Sie schreibt über die tragische Liebesgeschichte ihrer Schwester.

schreibmacshine

Wer den Film noch nicht kennt, sollte hier nicht weiterlesen, denn ich verrate gleich das Ende. Denn darum geht es mir. Die Schwester bringt das Buch heraus. Sie ist schon eine alte Frau, als sie das Buch herausbringt. Sie gibt ein Fernsehinterview. Sie beschreibt, dass es ihr letztes Buch ist, da sie aufgrund einer Krankheit nicht mehr schreiben wird, doch es könnte auch ihr erstes sein. Sie schrieb es ihr ganzes Leben lang

Sie sagt, sie wollte die absolute Wahrheit schreiben. Doch während die Zeit verstrich, verstand sie nicht mehr den Grund für Wahrheit, für Realität. Sie beginnt, das Ende des Buches anzupassen. Sie schreibt, wie sie ihre Schwester besucht und sich vor ihr und ihrem Liebhaber entschuldigt. Sie schreibt, wie sie alles gerade biegt und das tragische Liebespaar ein wohlverdientes glückliches Ende hat. Doch in Wahrheit starben beide früh getrennt voneinander im Krieg. Doch was könnte ein Leser nur an einem solchen Ende finden?

Ein sehr interessanter Gedanke. Dazu die Erkenntnis, wie machtvoll ein Autor ist. Denn ist nicht das für die Ewigkeit bestimmte Papier realer als die Realität?

Abbitte: USA, 2007

 

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2 Kommentare zu „Abbitte: Die Realität vs. Fiktion

  1. Ob Papier realer als die Realität sein kann, hängt wohl von der Perspektive ab. Aus der Sicht der Frau wird das Buch wohl kaum die Realität ersetzen, weil sie weiß, wie es wirklich war – dass ihre Schwester und der Soldat allein starben. Für den Leser ist ein Buch in erster Linie auch keine Realität, sondern eben eine Geschichte. Ich glaube kaum, dass, wenn man ein Buch kauft, sich die Frage stellt, ob die erzählte Geschichte der Realität entspricht. Wir gehen davon aus, dass sie es nicht ist. Interessant wird dieser Umstand in Bezug auf das historische Schreiben: Das, was in den Geschichtsbüchern steht, nehmen wir als bahre Münze. Dabei kann auch hier jederzeit jemand das Ende verändert haben…

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    1. Für den Leser spielt es doch eine Rolle, denn er weiß nicht immer, ob ein Buch eine reale Geschichte erzählt oder nicht. Beispiel 1: als Kind las ich „Die Türme des Februar“, ein Tagebuch eines Reisenden in eine parallele Welt. In dem Buch wurde das Tagebuch an die Autorin übergeben, die es dann tatsächlich herausgebracht hatte. Für manchen mag es nun naiv erscheinen, jedoch glaubte ich diese Geschichte bis zum wiederholten Lesen. Es gab ein Wort, mit dem man in die andere Welt sprang und es sollte als Rätsel im Buch sein. Ich las seeeehr aufmerksam.
      Beispiel 2: im Roman „Nach einer wahren Geschichte“ ist die Hauptperson die Autorin und alles andere war auch wahr. Wo und wie sie lebte, welche Bücher sie zuvor geschrieben hatte. Nur der Kern der Geschichte, was dann passierte, stimmte nicht, aber woher soll man das beim Lesen wissen? Es erscheint so echt, es ist in wahres Spiel mit der Realität. Und natürlich geht es genau darum in dem Buch: nennen wir wirklich Realität, was wirklich war?
      3. Beispiel: die Bibel. Für manche das wahrste Buch von allen, für andere der größte Fantasyroman der Geschichte.

      Realität vs. Fiktion spielt eine Rolle. Ein Leser liest eine vermeintlich wahre Geschichte anders. Und wer schon mal ein Buch schrieb, weiß, wie es sich anfühlt, wenn man ein wahres Element übernimmt. Oder es gar verändert. Vielleicht ist es dann nicht real, wie du es argumentierst (ja, es war nicht so), aber es ist definitiv nicht mehr nur NICHT so.

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