Ein Film über die Suche nach der richtigen Inspiration: Swimming Pool

pool-plakatSchon die erste Szene schreit vor Autorenleben. In einer überfüllten Bahn blickt eine Lesende hoch und erkennt vor sich die Frau vom Rücken des Buches, das sie gerade liest. „Sind Sie nicht Sarah Morton? Ich lese gerade Ihr neustes Buch.“ Doch sie wird entnervt abgeschnitten: „Sie müssen mich verwechseln.“ Denn sie hat die Schnauze voll, will nicht mehr ihre üblichen Krimis schreiben. Daher fährt sie ins französische Ferienhaus ihres Verlegers, um mal etwas ganz anderes zu schreiben.

pool_schreibenDa für mich der Schreibtisch eines Schreibers immer besonders wirkt, wie ein heiliger Ort, achtete ich natürlich sofort darauf, wo sie schreibt. Sie schreibt meistens in ihrem Schlafzimmer, doch ab und zu mal im Schatten des Pools, die ausgedruckten Seiten korrigiert sie gerne in der Sonne. Dann kommt die Tochter des Verlegers, ich glaube, sie hieß Julie. (Nach dem Nachgucken: Ja, sie hieß Julie.) Die Schriftstellerin ist zuerst pissig, doch wird dann immer offener. Der Zuschauer bleibt im Dunkpool_kippeeln, ob sie sich wirklich für den Menschen Julie interessiert oder sie nur als Inspiration für ihr Buch missbraucht. Schön ist der Wandel, den die Schriftstellerin beim Schreiben vollzieht, nun mit Kippe und nicht mehr sauber und pingelig, sondern leidenschaftlich.

Zuerst denkt man, es geht vor allem darum, dass die biedere Sarah Morton durch den vielen Sex Julies ein wenig aufgebrochen wird. Doch dann gibt es plötzlich nach Ewigkeiten, gefühlt nach dem ganzen Film, eine Wendung, die zwar interessant ist, aber verwirrt.

„Ich denke, ich habe ihn umgebracht.“
„Aber warum?“
„Ich weiß nicht. Für dich. Für das Buch.“

Der Film ist nicht uninteressant, aber er schafft es irgendwie nicht. Ich habe noch nicht ganz herausgefunden, weshalb. Ich nehme an, die Erzähllinie ist nicht klar formuliert, die Charaktere sind zu verschlossen, um genug zu erzählen. Jedoch bekomme ich nun den Gedanken nicht los, wie gerne ich mal an einem kleinen Tisch vor einem Pool in einem sonnigen Garten sitzen würde, vor mir ein Laptop, alle Zeit und Ruhe der Welt.

Swimming Pool: Frankreich, 2003

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