Ein Drehbuchautor als Protagonist

hasch_mich_ich_bin_der_moerder„Camouflage – Hasch mich, ich bin der Mörder“ ist ein alter französischer Schinken, der mich wirklich zum Lachen gebracht hat. Ich schaue immer gerne alte Filme, ihnen verzeiht man noch, wenn etwas nicht 100% realistisch ist, alles etwas überspitzt ist, das ist ja gerade der Charme! Besonders der Anfang gefällt mir sehr gut, hier geht es auch am meisten um das Autorendasein. Der Drehbuchautor Antoine Brisebard spielt eine Szene für sein neues Stück durch, indem er auf seinen Freund schießt, alles nur Show natürlich. Danach gibt es ein herrliches Streitgespräch, in dem Brisebard versucht, seinen Freund mit der abstrusesten Handlungsstrengen versucht von der Genialität seines angefangenen Werkes zu überzeugen.

„Wirst du mir endlich mal sagen, was du an meiner Geschichte auszusetzen hast?“
„Alles, alles! Dein Held wird sein Leben im Zuchthaus beschließen!“

am-schreibtischBrisebard ist ein überzeugender Drehbuchautor, er redet schnell und fahrig, überschlägt sich vor Ideen und – und hier kommt das Interessante – anfangs denkt man, er nehme sein Stück viel zu ernst. Denn er plant akribisch genau einen Mord, mit To Do-Liste und echten Requisiten. Und plötzlich schießt er wirklich und es gibt einen Toten.

Nun geht es nicht mehr um das Schreiben, sondern wie man am besten eine Leiche verschwinden lassen kann. Inspektor Ducros schleicht sich die ganze Zeit in seinem Haus herum und es gibt herrliche Momente, wenn etwa der Freund hereinplatzt und mit ihm darüber sprechen will, wie man nun eine Leiche für sein Buch am besten beseitigt. Der Inspektor fragt: „Welche Leiche?“ und Brisebard überhaupt nicht unverdächtig: „Keine Leiche, keine Leiche, ein Glas Champagner für Sie?“

Ein Film darüber, wie ein Autor sich von seinen Geschichten etwas zu sehr inspirieren lässt. Obwohl ich zugeben muss, dass auch ich mir schon manchmal etwas von meinen eigenen selbst erfassten Charakteren geklaut habe. Manchmal haben sie einfach die besseren Ideen. Die Komödie ist ein schöner Zeitvertreib, besonders in den kalten Tage, denn wann könnte man besser einen alten Schinken schauen?

Übrigens ist eine Szene aus dem Film schon Kult. Und zwar der aberwitzige „Nein“-„Doch“-„Oh!“-Dialog.

Camouflage – Hasch mich, ich bin der Mörder: Frankreich, 1971.

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